Click & Collect ist der günstigste Weg, den Onlineverkauf zu testen: Der Kunde bestellt und bezahlt online und holt die fertig kommissionierte Bestellung im Laden ab. Kein Fahrzeug, keine Tourenplanung, keine Kühlung auf der Straße. Trotzdem beantwortet es die einzige Frage, die vor jeder größeren Investition steht — bestellen Ihre Kunden überhaupt online?

Warum mit Abholung anfangen

Bei der Zustellung entstehen die Kosten, die den Kanal unwirtschaftlich machen können: Fahrzeug, Fahrer, Sprit, Zeitfenster, verpasste Übergaben. Bei der Abholung entfällt all das. Sie bezahlen nur die Kommissionierung, und die brauchen Sie ohnehin — auch für jede spätere Zustellung.

Der zweite Vorteil ist Lernen ohne Risiko. Nach vier Wochen Click & Collect wissen Sie, welche Artikel online nachgefragt werden, wie lange Ihr Team pro Auftrag braucht, wie oft Artikel fehlen und ob überhaupt genug Kunden mitmachen. Das sind genau die Zahlen, die Sie für die Entscheidung über eine Zustellung brauchen. Was die kostet, steht in Eigener Lieferdienst für Lebensmittel: lohnt sich das?

Was Sie brauchen — und was nicht

Sie brauchen:

  • Einen Shop mit Abholzeitfenstern. Der Kunde wählt Tag und Zeitfenster, nicht nur „Abholung".
  • Saubere Stammdaten für das Online-Sortiment. Nicht für alles — für die Artikel, die Sie online anbieten.
  • Einen Kommissionierablauf. Wer pickt, wann, mit welcher Liste, und was passiert bei fehlenden Artikeln.
  • Eine Abholfläche. Ein Regal und ein Kühlschrank reichen zum Start.
  • Eine Entscheidung zur Bezahlung. Online bezahlt heißt: die Übergabe ist nur noch ein Handgriff. Im Laden bezahlt heißt: Sie brauchen keinen Zahlungsanbieter und müssen bei variablen Gewichten nichts nachrechnen, tragen aber das Risiko, dass eine unbezahlte Bestellung liegen bleibt. Beides funktioniert — nur nicht unentschieden.

Sie brauchen nicht: ein Fahrzeug, eine Tourenplanung, ein Vollsortiment online, eine App. Alles das kann später kommen.

Zeitfenster: lieber wenige und verlässlich

Der häufigste Anfängerfehler ist, zu viele Abholzeiten anzubieten. Zwei feste Fenster am Tag, die zuverlässig funktionieren, sind besser als stündliche Slots, bei denen die Bestellung dann doch nicht fertig ist.

Was sich bewährt:

  • Vorlaufzeit festlegen. Bestellungen bis 18 Uhr sind am nächsten Vormittag abholbereit — das ist planbar. „In zwei Stunden fertig" ist es nicht.
  • Kapazität je Fenster begrenzen. Wenn ein Fenster voll ist, wird es geschlossen. Sonst stehen fünf Kunden gleichzeitig vor einem halb kommissionierten Regal.
  • Randzeiten nutzen. Kommissionieren Sie außerhalb der Stoßzeiten, dann konkurriert die Onlinebestellung nicht mit dem Ladengeschäft um dieselben Mitarbeiter.

Kapazität rechnen, nicht schätzen: Multiplizieren Sie Ihre gemessene Kommissionierzeit pro Auftrag mit der Zahl der Aufträge im Fenster. Wenn dabei mehr Arbeitszeit herauskommt, als zwischen Bestellschluss und Abholung zur Verfügung steht, ist das Fenster zu groß — unabhängig davon, wie gut es sich anhört.

Die Übergabe

Drei Dinge entscheiden, ob die Abholung als angenehm empfunden wird:

Kühlung. Frische und Tiefkühlware dürfen nicht im Vorraum stehen. Praktisch heißt das: Trockensortiment wird vorkommissioniert, Kühl- und Tiefkühlware erst kurz vor der Abholung dazugestellt. Ein System, das die Bestellung in Temperaturzonen aufteilt und die Kühlpositionen zuletzt auf die Pickliste setzt, nimmt Ihnen diese Denkarbeit ab.

Identifikation. Ein Bestellcode, den der Kunde am Handy vorzeigt, ist schneller und weniger fehleranfällig als die Suche nach dem Namen.

Fehlende Artikel. Legen Sie vorher fest, ob Sie ersetzen oder streichen, und informieren Sie den Kunden vor der Abholung — nicht an der Übergabe. Eine Rückfrage per Nachricht während der Kommissionierung kostet Sekunden und verhindert Diskussionen.

Ausbaustufe: die Abholstation

Wenn die Abholung läuft, ist der nächste Schritt oft nicht die Zustellung, sondern die zeitunabhängige Abholung. Eine gekühlte Abholstation nimmt die Bestellung auf, der Kunde öffnet sie mit einem Code, wann es ihm passt. Damit entfällt die Bindung an Öffnungszeiten und an eine Übergabe durch Personal — bei deutlich geringeren Kosten als eine eigene Zustellflotte. Mehr dazu unter Plattform.

In vier Wochen live

  1. Woche 1: 200–300 Artikel auswählen und deren Stammdaten und Bilder aufbereiten.
  2. Woche 2: Shop einrichten, zwei Abholfenster definieren, Bezahlung anbinden.
  3. Woche 3: Intern testen. Zehn Bestellungen selbst aufgeben und kommissionieren, dabei Zeit messen.
  4. Woche 4: Mit Stammkunden starten. Nicht bewerben, bevor der Ablauf sitzt.

Die Kennzahl, auf die es in den ersten Wochen ankommt, ist nicht der Umsatz, sondern die Kommissionierzeit pro Auftrag. Sie entscheidet später darüber, ob eine Zustellung wirtschaftlich sein kann.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Click & Collect und einer Vorbestellung?
Der Unterschied liegt nicht in der Bezahlung, sondern darin, ob vorab kommissioniert wird. Eine reine Reservierung wird erst zusammengestellt, wenn der Kunde vor der Theke steht — das spart niemandem Zeit. Bei Click & Collect ist die Bestellung fertig gepackt, bevor er kommt. Ob dann online oder im Laden bezahlt wird, ist eine zweite, unabhängige Entscheidung: online ist die Übergabe schneller, im Laden brauchen Sie keinen Zahlungsanbieter.
Wie halte ich die Kühlkette bei der Abholung ein?
Indem Sie die Bestellung in Temperaturzonen trennen. Trockenware kann vorbereitet werden, Kühl- und Tiefkühlware kommt erst unmittelbar vor der Abholung dazu und bleibt bis dahin im Kühlbereich. Verbindliche Abholfenster sind dafür Voraussetzung — ohne sie wissen Sie nicht, wann „unmittelbar davor" ist.
Wie viele Artikel sollte ich online anbieten?
Am Anfang deutlich weniger, als Sie im Laden führen. 200 bis 300 gut gepflegte Artikel, die den Großteil der Nachfrage abdecken, funktionieren besser als 3.000 mit lückenhaften Angaben. Erweitern lässt sich immer, und dann wissen Sie aus den Suchanfragen im Shop, welche Artikel tatsächlich fehlen.
Lohnt sich Click & Collect für einen kleinen Laden?
Eher als eine Zustellung, ja. Weil keine Fixkosten für Fahrzeug und Touren entstehen, rechnet es sich bereits bei wenigen Bestellungen am Tag. Der begrenzende Faktor ist nicht die Ladengröße, sondern ob jemand die Kommissionierung verlässlich übernimmt.