Die Software ist selten der größte Posten. Bei einem Lebensmittel-Onlineshop entfällt der Großteil der Kosten im ersten Jahr auf Stammdatenpflege, Produktfotos und die Arbeitszeit für die Kommissionierung. Wer nur Lizenz- oder Entwicklungskosten vergleicht, vergleicht den kleineren Teil der Rechnung.
Die vier Modelle im Vergleich
Die folgenden Zahlen sind Größenordnungen zur Orientierung, keine Angebote. Sie schwanken stark mit Sortimentsbreite, Anspruch und Region.
| Modell | Einmalig | Laufend | Passt, wenn |
|---|---|---|---|
| Marktplatz | gering bis keine | 10–20 % Provision pro Auftrag | Spezialitäten, Reichweitentest |
| Shop-Baukasten | ca. 2.000–15.000 € Einrichtung | Grundgebühr plus Plugins, häufig dreistellig monatlich | schmales Sortiment, wenig Sonderlogik |
| Eigenentwicklung | hoher fünf- bis sechsstelliger Bereich | 15–20 % der Bausumme pro Jahr für Wartung | Prozesse sind selbst der Wettbewerbsvorteil |
| Fachplattform | Einrichtung und Datenübernahme | monatliche Gebühr, oft mit Volumenkomponente | Vollsortiment, Lebensmittellogik von Anfang an |
Unsere eigenen Konditionen finden Sie unter Preise.
Was in keinem Angebot steht
Hier entstehen die Überraschungen. Diese Posten tauchen in Softwareangeboten praktisch nie auf, machen aber im ersten Jahr oft den größeren Teil aus:
- Stammdaten. Zutaten, Allergene, Nährwerte, Grundpreis und Herkunft je Artikel. Bei 3.000 Artikeln von Hand ein Projekt von Monaten. Der wichtigste Kostenhebel ist deshalb die Frage, ob die Daten automatisch aus Warenwirtschaft oder Großhandel kommen.
- Produktfotos. Herstellerbilder decken das Markensortiment ab, nicht Ihre Theke. Frischeartikel, Eigenproduktion und Regionales müssen Sie selbst fotografieren.
- Arbeitszeit für die Kommissionierung. Der größte laufende Posten, und der einzige, der mit jedem Auftrag mitwächst.
- Verpackung und Kühlung. Kisten, Kühlakkus, Isoliermaterial — pro Auftrag klein, in Summe nicht.
- Zahlungsgebühren. Je nach Verfahren rund 1–3 % vom Umsatz.
- Pflege statt Projekt. Neue Artikel, geänderte Rezepturen, saisonale Sortimente. Ein Shop ist nie fertig.
Faustregel: Rechnen Sie im ersten Jahr damit, dass Software den kleineren und Daten plus Arbeitszeit den größeren Teil ausmachen. Ein Angebot, das nur die Software beziffert, beantwortet nicht die Frage, die Sie gestellt haben.
Die Rechnung, die wirklich zählt
Für die Entscheidung ist nicht der Jahrespreis relevant, sondern die Kosten pro Auftrag. Die setzen sich zusammen aus:
- Anteilige Plattformkosten (Fixkosten geteilt durch Auftragszahl)
- Kommissionierzeit × Stundensatz
- Verpackung
- Zahlungsgebühren
- Zustellung, falls Sie liefern
Der zweite Punkt dominiert fast immer — und genau hier verdient gute Software ihren Preis zurück. Ein Auftrag, der von Hand 30 Minuten Kommissionierung braucht, kostet Sie bei einem vollen Stundensatz von 25 € rund 12,50 € an Arbeitszeit. Auf einer Plattform, die den Laufweg optimiert, mehrere Aufträge in einem Durchgang bündelt und per Scanner statt per Zettel arbeitet, sind es wenige Minuten bis Sekunden.
Rechnen Sie bewusst vorsichtig und nehmen Sie an, Sie sparen nur zehn Minuten pro Auftrag: bei 200 Bestellungen im Monat sind das gut 33 Arbeitsstunden, also rund 830 € — jeden Monat. Eine Fachplattform trägt sich damit in aller Regel allein aus der eingesparten Kommissionierzeit, bevor sie einen einzigen Euro Zusatzumsatz gebracht hat.
Deshalb ist die Frage „wie schnell lässt sich damit kommissionieren" wirtschaftlich wichtiger als die Frage „was kostet die Lizenz". Eine Plattform, die 30 € im Monat mehr kostet und pro Auftrag zwei Minuten spart, ist bei jedem realistischen Volumen die günstigere von beiden.
Und deshalb sinken die Kosten pro Auftrag mit steigendem Volumen doppelt: die Fixkosten verteilen sich, und gleichzeitig lassen sich mehrere Aufträge in einem Durchgang kommissionieren.
Wann sich welches Modell rechnet
Marktplatz lohnt sich, solange die Auftragszahl niedrig ist. Ohne Fixkosten zahlen Sie nur bei Umsatz — dafür bei jedem Umsatz. Ab einer gewissen Menge ist die Provision teurer als jede Plattformgebühr.
Baukasten lohnt sich bei schmalem, stabilem Sortiment ohne variable Gewichte und ohne Lieferzeitfenster. Sobald Sie diese Dinge über Plugins nachrüsten, steigen sowohl Kosten als auch Wartungsaufwand deutlich.
Eigenentwicklung lohnt sich, wenn Ihre Abläufe so speziell sind, dass keine Standardlösung passt — und wenn Sie die Wartung dauerhaft tragen können und wollen.
Fachplattform lohnt sich bei Vollsortiment und regelmäßigem Auftragsvolumen, weil die Lebensmittellogik bereits enthalten ist und die Kommissionierung von Anfang an auf Geschwindigkeit ausgelegt ist.
Wie das im Tagesgeschäft aussieht, beschreibt Lebensmittel online verkaufen. Die günstigste Art zu starten ist fast immer Click & Collect, weil dabei die Zustellkosten komplett entfallen.